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Stifter

Der Stifter Oskar R. Schlag (ORS)
wurde am 22. März 1907 als 10. Kind des Kinobesitzers Xaver Schlag (1867-1932)
und dessen Ehefrau Luise (1870-1938) in Osterhofen / Niederbayern geboren. 1910
zog die Familie nach Landshut / Bayern, wo ORS die Volks- und Realschule
besuchte. Bereits mit 12 Jahren hatte er erste theurgische Erfahrungen. Zwischen
dem 16. und 17. Lebensjahr brach dann seine starke Medialität durch. Die ersten
medialen Erfahrungen machte ORS zunächst in Kleingruppen mit
Familienmitgliedern und Nachbarn. 1927 wurde der renommierte Parapsychologe
Schrenck-Notzing auf ORS aufmerksam und konnte ihn für seine
physikalisch-mediumistischen Experimente gewinnen. Zu diesem Zweck richtete er,
neben seinem Laboratorium in München, eigens ein Laboratorium in Landshut ein.
Die unter der Aufsicht Schrenck-Notzings vorgenommenen Experimente sind gut
dokumentiert. Die Verbindung zu Schrenck-Notzing endete 1928 mit einer
Verstimmung, weil ORS Schrenck die Unvollkommenheit der Versuchsanordnungen
aufgezeigt hatte. Nach diesem Ereignis hielt sich ORS zunächst von weiteren
mediumistischen Experimenten fern und versuchte, seine Medialität zu
verdrängen.
1929 nahm ORS eine Stelle als Philatelist in Luzern an. Schon 1930
ging er jedoch als Angestellter nach Zürich. Mit seiner Tätigkeit in Zürich
war die Bedingung verbunden, seinem Arbeitgeber, dem Unternehmer Strohhofer,
für physikalisch-mediumistische Experimente und private Demonstrationen zur
Verfügung zu stehen. Wider Willen musste ORS seine Medialität erneut
aktivieren. In Zürich kam ORS auch bald in Kontakt mit dem Kreis um Bleuler,
Jung und Bernoulli. Der Kontakt zu diesem Kreis soll noch durch Schrenck-Notzing
geknüpft worden sein. Auch hier wurde ORS zunächst nur für
physikalisch-mediumistische Experimente herangezogen. Daneben fanden aber auch
Sitzungen statt, in denen von der psychoenergetischen Kraft 'Atma' Unterweisungen erteilt wurden. Bei den frühen Sitzungen, in denen auch noch die
psychoenergetische Kraft Cyprian auftrat, war der Teilnehmerkreis noch recht
umfangreich. So nahmen neben den Ehepaaren Bleuler, Bernoulli und Pulver häufig
auch Frau Jung-Rauschenbach, Hans Reinhart, Andreas Strohhofer und Fritz
Allemann teil. Später kristallisierte sich langsam eine Stammgruppe heraus, zu
der ab 1934 nur noch das Ehepaar Bernoulli, Fritz Allemann und ORS als Medium
gehörten.
1932 begann ORS bei Max Pulver, dem zu seiner Zeit wohl bedeutendsten
Graphologen, Graphologie zu studieren. Gleichzeitig hörte er psychologische
Vorlesungen am Polytechnikum und am Institut für Angewandte Psychologie
(Psychotechnisches Institut, Biäsch Institut). Bei Oscar Pfister liess er sich
auch zum Psychotherapeuten ausbilden.
Neben seinen Studien gab ORS schon bald auf Veranlassung von Gustav
Bally Kurse über (seine?) parapsychologische Erfahrungen. Seit 1938 hielt ORS
dann Vorlesungen am Institut für Angewandte Psychologie (Psychotechnisches
Institut) über Grenzgebiete der Psychologie und die theoretischen Grundlagen
des Yoga. Im selben Jahr verlor er seine deutsche Staatsbürgerschaft, die er
erst 1949 wieder annahm. Sein Bemühen um die Naturalisation in der Schweiz
blieb nach dem 2. Weltkrieg (1946) erfolglos.
1949 ging ORS in die USA und lebte zunächst in New York, später
in Kalifornien. Schon bald kehrte er aber in die Schweiz zurück und nahm seine
Vorlesungstätigkeit am Institut für Angewandte Psychologie wieder auf. Von
1949 bis 1962 beschäftigte sich ORS intensiv mit Psychoanalyse: mit der
Tiefenpsychologie C. G. Jungs und der Schicksalsanalyse nach Szondi. In den
Folgejahren arbeitete er dann vorwiegend als Graphologe und Psychotherapeut.
Im Laufe vieler Jahrzehnte entstand eine umfassende und einzigartige
Fachbibliothek zu den Grenzgebieten der Wissenschaft, die er in seinem Testament
der Zentralbibliothek Zürich als Legat hinterliess. Themenbereiche seiner
Sammlung sind: Buddhismus, Hinduismus, Yoga, Hermetische Philosophie,
Mythologie, antike Mysterien, Gnosis, Alchemie, Tarot, Kabbala, Freimaurerei und
initiatische Gesellschaften, Theosophie, Mystik, Magie, Psychologie und
parapsychologische Forschung. ORS sammelte nicht nur Bücher zu diesen
Bereichen. Er studierte die Texte und Materialien und verfügte als
Privatgelehrter über umfangreiche und tiefreichende Kenntnisse auf grenz- und
religionswissenschaftlichen Gebieten. Die Verbindung östlicher und westlicher
Weisheitslehren war ihm ein zentrales Anliegen. Forscher des In- und Auslandes
schätzten ihn als Kenner spiritueller Lehren und Traditionen. Als Beispiel sei
hier Gershom Scholem, der Erforscher der Kabbala erwähnt. ORS stellte auch C.G.
Jung wichtige Texte zur Erforschung der Beziehung zwischen Psychologie und
Alchemie aus seiner Sammlung zur Verfügung.
Am 29.11.1990 starb Oskar R. Schlag in Zürich.
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